China - Das Land
Reiseführer China
Mit dem hier schrittweise erscheinenden Reiseführer China greifen wir die Reiseführer China der ersten Stunde "China Traveller Handbook" - Loseverlag - für Einzelreisende ab 1985 sowie den später erschienenen Kunstreiseführer China im Dumont Verlag, an dem Klaus Gabriel und Eberhard Trempel in jungen Jahren mitwirkten bzw, sie schrieben. Gleichzeitig führen wir in die Gegenwart ein. Das wird eine spannende Gegenüberstellung und ein Kulturschock, der unvermeidbar ist. China ist wahnsinnig spannend und wie das Bemühen, ein aktuelles Telefonbuch zu schreiben. Kaum hat man die letzte Nummer eingegeben, hat sich vorne schon wieder alles geändert.
Warum wurden Paläste aus Holz errichtet ?
Die traditionelle chinesische Architektur setzte über Jahrtausende sehr stark auf Holz als Hauptbaumaterial (besonders für Säulen, Balken, Dachstuhl und das gesamte Tragwerk) – im Gegensatz zu vielen anderen alten Hochkulturen, die meist Stein, Ziegel oder Lehm bevorzugten. Die wichtigsten Gründe waren eine Kombination aus praktischen, technischen, kulturellen und philosophischen Faktoren: China liegt in einer der erdbebenreichsten Regionen der Welt (bes. Nordchina, Sichuan, Yunnan). Holzrahmen mit Zapfenverbindungen (ohne Nägel!) und dougong-Konsolen sind extrem flexibel und federn Erschütterungen ab. Sehr wichtig – viele Holzbauten überstanden Erdbeben, bei denen Steingebäude einstürzten. In der Frühzeit (bes. Gelbe-Fluss-Ebene und Jangtse-Region) gab es sehr ausgedehnte Wälder. Holz war leichter zu beschaffen und zu transportieren als massiver Stein. Früher entscheidend, später weniger (Wälder wurden abgeholzt). Holz lässt sich viel leichter schneiden, formen und vorfertigen. Das modulare System (viele gleiche Bauteile) erlaubte schnelle Montage. Praktisch für große Palastanlagen und schnelle Wiederaufbauten nach Katastrophen. Nach buddhistischer, taoistischer und konfuzianischer Weltsicht ist alles vergänglich („kein Streben nach ewiger Dauer der Dinge“ – Liang Sicheng). Holz symbolisiert Leben, Wachstum und Wandel – Stein wird dagegen oft mit Tod, Grab und „Yin“ assoziiert. Yin-Yang & die Fünf-Elemente-Lehre Holz gehören zu den „lebendigen“ Elementen (木 mù), Stein eher zum toten/ewigen Prinzip, daher wurden Wohnhäuser und Paläste in vielen Regionen mit Holz, Gräber dagegen aus Stein bzw. Lehm errichtet. Holz (bes. Nadelhölzer wie Kiefer) hat sehr gute Zug- und Biegefestigkeit ermöglicht weite, offene Innenräume ohne viele Stützen. Ermöglichte die charakteristischen großen Hallen . Kurz gesagt: Holz war in China kein Notbehelf, sondern eine bewusste, überlegene Wahl für die meisten Bedingungen – vor allem wegen der Erdbebensicherheit und der kulturellen Weltsicht. Interessanterweise haben genau diese Holzbauten (z. B. Fogong-Tempel-Pagode von 1056, viele Hallen der Verbotenen Stadt) teilweise besser überlebt als vergleichbare Steingebäude in anderen Erdbebenregionen. Erst mit Beton, Stahl und modernen Brandschutzvorschriften hat sich das Bild seit dem 20. Jahrhundert stark verändert. In den Regionen mit extremer Witterung wie Tibet, sind dagegen Häuser aus Stein und Lehm gebotener Schutz.